Weshalb Weihnachten kein Lean-Fest ist

23 Dezember 2016 | Category: Good Looks, Great Sound, Things happens, The incomparable Fellert humor, How does it really work

“Schon klar, er denkt an das ganze fette Essen, das man an Weihnachten in sich hineinstopft, und wie man dabei dann auf seine schlanke Linie achten soll“. Weit gefehlt. Ich denke an das, was die moderne Herstellungsindustrie in den letzten Jahren umtreibt, seitdem Toyota die berühmte Schnur eingeführt hat.

Davon kann man sich leicht inspirieren lassen. Das muss sich aus Produktionszusammenhängen auch auf andere Bereiche übertragen lassen, denke ich. Warum nicht die Weihnachtsfeierlichkeiten leangerecht gestalten?

Allerdings fängt das Problem schon bei den Beständen an. Lean-Leute sind bekanntlich nicht für Bestände, außerdem sehen wir gerne einen optimalen Materialfluss. Schon der Weihnachtsschmuck, der einmal im Jahr herausgekramt wird, ein paar Tage im Einsatz ist und dann 11 Monate im Regal liegt, bis er dann endlich mal wieder gebraucht wird, widerspricht diesem Gedanken völlig. In wahrem Lean-Geist habe ich bei einigen Nachbarn vorgesprochen. Ich wollte eine Lösung erarbeiten, um eine Garnitur im gesamten Viertel zu teilen. Damit würden wir auch einen wichtigen Beitrag zur Umwelt und zur Nachhaltigkeit leisten. Aber merkwürdigerweise wollten alle gleichzeitig Weihnachten feiern. Niemand war zu Kompromissen bereit. Mit einem Schlag wurde mir klar, dass meine Nachbarn wesentlich zu unserem globalen Klimaproblem beitragen.

Wir Lean-Befürworter sind ja für ziehende Prozesse. Als zu Hause alle bereits Anfang Dezember anfingen, über den Weihnachtsbaum zu reden, habe ich den tatsächlichen Bedarf natürlich gründlich analysiert. Meine Familie wollte den Weihnachtsbaum doch allen Ernstes erst einen Tag vor Heiligabend schmücken. Der Baum sollte also mehrere Wochen herumstehen, ohne dass etwas passiert, und einfach nur darauf warten, dass endlich der 23. Dezember kommt. „Völlig unakzeptabel“, verkündete ich und wartete bis zum Morgen des 23., um den Weihnachtsbaumeinkauf zu erledigen. Zu meiner Überraschung musste ich aber feststellen, dass es in ganz Schweden keinen einzigen Weihnachtsbaumverkäufer oder Weihnachtsbaum mehr gab. Offenbar hatten sich alle schon lange vor Weihnachten einen Baum gesichert. Was für eine Ressourcenverschwendung! Das schreit wirklich zum Himmel.

Ein anderes allseits bekanntes Übel sind Weihnachtsgeschenke. Auf dem gesamten Planeten herrscht Gehetze und Gedrängel, um Dinge zu kaufen, die man dann an andere Menschen weitergibt, die das Zeug gar nicht haben wollen. Die Folge: Der Plunder liegt herum und verstaubt (Bestandsproblematik) oder wird gleich ganz in den Läden zurückgegeben (Retouren). Hier gibt es nur einen einzigen Ausweg: der ganze Prozess muss wegrationalisiert werden. In meinen Augen ist er nicht zu retten.

Positiv ist dagegen, dass sich der Prozess zur Fertigung von Weihnachtsplätzchen tatsächlich ziemlich stark optimieren lässt. Hierzu muss zwar zugegebenermaßen die Küche leicht umgestaltet werden, um lange Wege zwischen den einzelnen Stationen weitgehend zu eliminieren. Außerdem müssen sämtliche überflüssigen Utensilien, die überall herumliegen, entfernt werden. Gott sei Dank ist IKEA so gut wie immer geöffnet. Außerdem erspart die Axt im Haus ja bekanntlich den Zimmermann. Es wird zwar etwas schwierig, sich so frei wie früher in der Küche zu bewegen. Aber wer will schon, dass massenweise Leute ohne Sinn und Verstand herumlungern?

Trotz meiner eifrigen Bemühungen, die Weihnachtsfeierlichkeiten zu optimieren, schlägt mir seit einiger Zeit zunehmend Widerstand von Bekannten und Verwandten entgegen, was ich überhaupt nicht verstehen kann. Sehen sie denn nicht ein, dass alles viel besser wird?

Deswegen fiel es mir auch etwas schwer, meiner Familie mitzuteilen, dass ich an den Weihnachtsfeiertagen ziemlich viel arbeiten muss. Sie werden so enttäuscht sein, dachte ich. Aber man lernt nie aus. Sie waren weder ärgerlich noch enttäuscht. Im Gegenteil: Irgendwie sahen sie erleichtert aus!?

Frohe Weinachten und einen gutes neues Jahr 2017,

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The Bald guy

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